Warum auch Naturkosmetik konserviert werden muss

Kosmetische Produkte, die eine wässrige Phase enthalten, sind sehr anfällig für Verkeimung. Verschiedene Mikroorganismen (z.B. Bakterien, Pilze und Hefen) finden in wasserhaltigen Zubereitungen eine ausgezeichnete Überlebens- und Vermehrungsgrundlage. Steigt die Keimbelastung einer Emulsion zu stark an, hat das auch Auswirkungen auf die Haut. Abbauprodukte der Bakterien können Hautausschläge, Rötungen und allergische Reaktionen auslösen. Plötzlich auftretende Pickel müssen also nicht unbedingt mit unverträglichen Stoffen zu tun haben, sondern lassen sich häufig auf verkeimte Kosmetika zurück führen. Die Cremes müssen allerdings nicht steril sein. Dennoch ist es enorm wichtig, die Verkeimung so gering wie möglich zu halten – der Hautgesundheit zuliebe. Sie haben die Möglichkeit, alle drei oder vier Tage eine frische Creme anzurühren oder Ihre Kosmetika zu konservieren.

Wer hat schon Zeit und Lust, alle paar Tage frische Cremes zu rühren? Auch von selbst hergestellter Kosmetik wird eine gewisse Haltbarkeit erwartet. Trotzdem sollten Sie nie aus den Augen verlieren, dass Sie »Frische-Kosmetik« herstellen, die nicht die lange Haltbarkeit von Kaufkosmetik erreichen wird. Vielleicht fragen Sie sich jetzt, wie es sein kann, dass einige Hersteller konservierungsmittelfreie Produkte anbieten können. Schauen Sie sich die Zutatenlisten dieser Produkte einmal genauer an. In den meisten Fällen stehen alkoholische Kräuterextrakte oder Ethanol (Weingeist) sehr weit oben in der Liste. In der Kosmetikverordnung zählen Alkohole nicht zu den Konservierungsstoffen.

Diese Art der Konservierung können auch wir nutzen. Weingeist wirkt desinfizierend, d.h., er zerstört die Bakterienhülle und verhindert somit deren Vermehrungsfähigkeit. Reiner Weingeist 96 Vol. % wird mit 12 bis 15 Prozent bezogen auf die gesamte Wasserphase dosiert. Bei manchen Rezepten kann sich allerdings ein hoher Alkoholgehalt negativ auf die Stabilität der Emulsion auswirken. Nach meiner Erfahrung werden viele Cremes flüssig, wenn sie mehr als 10 Prozent Weingeist enthalten. Durch eine geschickte Kombination der Rohstoffe und den Einsatz geeigneter Emulgatoren und Konsistenzgeber lässt sich das Problem beheben. Entgegen der allgemeinen Ansicht, trocknet Weingeist in dieser Konzentration nicht aus und wird meist auch gut vertragen. Sollten Sie mit 15 Prozent Weingeist nicht zu Recht kommen, probieren Sie 10 Prozent Weingeist in Kombination mit einem klassischen Konservierungsstoff. Diese Strategie setze ich schon seit einigen Jahren erfolgreich ein. Statt reinem Weingeist können Sie auch alkoholische Kräuterextrakte und Tinkturen zur Konservierung einsetzen. Diese müssen höher dosiert werden, da der Alkoholgehalt wesentlich niedriger ist, als der des Weingeistes. Meinen Erfahrungen zufolge kann man mit einer Dosierung von 12 bis 15 Prozent reinem Weingeist (96 Vol. %) eine Haltbarkeit von ca. 8 bis 12 Wochen erreichen.

Neben Alkohol haben wir auch eine Reihe von klassischen Konservierungsmitteln, die zum Teil auch für Naturkosmetik geeignet sind. Sie wirken keimhemmend, d.h., sie dämmen die Vermehrung der Keime ein. Daher sind sie nicht mit den aggressiven Konservierungsstoffen in konventionellen Kosmetikprodukten vergleichbar. Konservierungsstoffe bergen immer ein allergenes Potential, das bei sehr empfindlichen Personen Hautreizungen und Allergien auslösen kann. Dies trifft übrigens auf viele andere Stoffe auch zu, auch auf Duft- und Farbstoffe. Wenn Sie zu diesem Personenkreis gehören sollten, testen Sie Ihre Produkte an einer kleinen Hautstelle, bevor Sie diese großflächig anwenden. Achten Sie bei der Auswahl des Konservierungsstoffes auch auf dessen Besonderheiten. Einige benötigen einen bestimmten pH Wert, um richtig wirken zu können. Mit den klassischen Konservierungsstoffen können Sie eine Haltbarkeit von ca. 3 bis 4 Monaten erreichen.

Sie verbinden mit »selbst hergestellter Frische-Kosmetik« unkonservierte, möglichst naturbelassene Produkte? Oder Ihre Haut reagiert auf jeden Konservierungsstoff mit Rötungen? Dann können Sie auch Ihre Cremes unkonserviert einfrieren. Füllen Sie die Cremes möglichst in Tuben, sofern es die Konsistenz zulässt. Wenn es eine Dose sein muss, dann entnehmen Sie die Creme immer mit einem desinfizierten Spatel. Portionieren Sie so klein wie möglich und lagern Sie die aufgetaute Creme immer im Kühlschrank. Allerdings sind nicht alle Rezepturen für den Kälteschlaf tauglich. Es kann sich Wasser absetzen, manche Cremes verändern sich insgesamt vom Hautgefühl und Auftragverhalten. Wenn Sie bereit sind, kleine Abstriche hinzunehmen, können Sie sich im Tiefkühlschrank einen kleinen Vorrat Ihrer Cremes anlegen. Verwenden Sie unkonservierte Cremes auch bei Kühlschranklagerung nie länger als 6 bis 7 Tage.

Muss die Fettphase auch konserviert werden?

Nein, denn in reinen Fettmischungen haben Keime keine Überlebenschance. Für alle Produkte, die kein Wasser enthalten, wie Körperöle, Badeöle, Balsame usw. benötigen Sie keine Konservierungsmittel. Der größte Feind pflanzlicher Öle mit hohen Anteilen ungesättigter Fettsäuren ist Sauerstoff. Öle werden also nicht schimmlig, sondern ranzig. Ein verdorbenes Öl fällt durch seinen tranigen, muffigen Geruch auf und darf in Emulsionen oder Körperölen nicht mehr verwendet werden. Durch den Oxidationsprozess werden Abbauprodukte freigesetzt, die der Haut schaden können. Manche Öle sind von Natur aus durch ihren hohen Vitamin-E-Gehalt oder ihre besondere Zusammensetzung (z.B. Jojobaöl) relativ stabil. Alle anderen müssen durch geeignete Maßnahmen geschützt werden. Kaufen Sie von hoch ungesättigten Ölen nur kleine Gebinde oder füllen Sie in kleine, dunkle Flaschen um. Verschließen Sie die Flaschen immer sorgfältig. Zusätzlich können Sie entweder 2 Tropfen Antiranz HT auf 50 ml Öl oder einen speziellen Rosmarinextrakt, z.B. Flavoxan 14 (siehe auch im Buch »Lotion, Creme & Badeschaum«) gleich nach dem ersten Öffnen zugeben.

Die wichtigsten Grundregeln der hygienischen Herstellungspraxis

Die beste Konservierungsstrategie bringt nicht den gewünschten Erfolg, wenn bei der Herstellung nicht sauber gearbeitet wird. Es ist nicht so kompliziert und aufwändig, wie es zunächst scheint – die Regeln werden schnell zur Routine.

Arbeitsfläche reinigen

  • Entfernen Sie alle Gegenstände vom Arbeitsplatz, die Sie nicht zur Herstellung von Kosmetika brauchen
  • Reinigen Sie die Arbeitsfläche mit einem handelsüblichen Mittel und sprühen Sie diese anschließend mit Isopropylalkohol ein.
  • Legen Sie den Arbeitsbereich mit Zellstofftücher oder frisch gewaschenen Geschirrtücher aus.
  • Verzichten Sie auf Essen oder Rauchen, während Sie Kosmetika herstellen.
  • Wenn Sie lange Haare tragen, stecken Sie diese zurück.

Hände waschen

  • Waschen Sie Ihre Hände gründlich mit Seife und desinfizieren Sie sie mit Alkohol. Falls Sie Alkohol nicht vertragen, ziehen Sie Einweghandschuhe an.

Arbeitsgeräte, Tiegel und Flaschen desinfizieren

  • Spülen Sie alle Bechergläser, Rührlöffel, Spatel, Schälchen, Mixeraufsatz und das Abfüllgefäß mit heißem Wasser aus.
  • Sprühen Sie alle Utensilien mit Alkohol ein, vergessen Sie dabei nicht die Deckel und Schraubgewinde der Dosen und Flaschen. Gerade an den Innenseiten der Gewinde und unter den Deckeleinlagen nisten sich gerne Keime ein.
  • Wenn Sie ein Sterilisationsgerät (z.B. für Babyflaschen) besitzen, können Sie dieses verwenden.
  • Viele Geräte können auch im Dampfdrucktopf sterilisiert werden, wie z.B. Bechergläser, Rührlöffel, Glasschälchen, Glasdosen und Glasflaschen. Nicht alle Plastikflaschen und -dosen sind hitzebeständig. Vor allem s.g. PET-Gefäße verformen sich unter Hitzeeinwirkung. Achten Sie daher schon beim Kauf auf Stabilität der Gefäße.

Wasser ist nicht gleich Wasser

  • Häufig wird das »destillierte« Wasser aus dem Supermarkt verwendet. Dieses Wasser ist kein echtes Destillat. Es wird lediglich mittels Ionentauscher entmineralisiert und ist keineswegs keimfrei. Sie können es durchaus zur Kosmetikherstellung verwenden. Kochen Sie dieses Wasser immer kurz vor Gebrauch ab, um es weitgehend von Keimen zu befreien. Auch echtes destilliertes Wasser, das schon längere Zeit geöffnet ist, muss abgekocht werden.
  • Hydrolate (echte Pflanzendestillate) müssen nicht abgekocht werden, sofern sie frisch sind.
  • Leitungswasser ist zur Herstellung von Kosmetik nicht geeignet. Es enthält meist zu viele gelöste Salze, die einerseits die Haltbarkeit beeinträchtigen können und sich andererseits sich mit einigen Emulgatoren nicht vertragen. Dies kann zur Herabsetzung der Viskosität oder zur Phasentrennung führen.

Sachgerechter Umgang mit kosmetischen Rohstoffen

  • Fassen Sie Ihre Rohstoffe nicht mit den Händen an. Verwenden Sie für jeden Rohstoff, den Sie aus der Dose nehmen einen frischen oder frisch desinfizierten Löffel.
  • Verwenden Sie zum Abstreifen von zähen Substanzen einen zweiten Löffel oder Spatel, niemals den Finger.
  • Achten Sie darauf, dass keine Fremdkörper die Rohstoffe verunreinigen können.
  • Halten Sie die Dosen und Flaschen immer gut verschlossen.
  • Füllen Sie die Rohstoffe nur in geeignete, saubere, desinfizierte Behälter und vergessen Sie die korrekte Beschriftung nicht, vor allem das Haltbarkeitsdatum ist wichtig.
  • Lagern Sie Ihre Rohstoffe kühl und trocken. Ein kühler Platz in der Wohnung oder ein kühler Kellerraum sind ideal. Küchenschränke sind ungeeignet, denn dort sind die Rohstoffe Küchendämpfen und ständig schwankenden Temperaturen ausgesetzt.
  • Besonders empfindliche Rohstoffe gehören in den Kühlschrank.
  • Achten Sie auf das Haltbarkeitsdatum der Rohstoffe. Denn nur mit einwandfreien Rohstoffen können auch einwandfreie Produkte hergestellt werden.

Was Sie noch tun können

Machen Sie es den Naturkosmetikherstellern nach und füllen Sie Ihre Produkte in Tuben, wenn es die Konsistenz zulässt. Auf diese Weise wird der Haut- und Luftkontakt zur Emulsion stark reduziert, dadurch gelangen weniger Keime in die Emulsion. Pump- und Airless-Spender sehen zwar sehr schön aus und geben den Produkten ein edles Aussehen. Doch in den Pumpsystemen lauert auch die Verkeimungsgefahr. Sie sind schwer zu reinigen und sollten daher nach Möglichkeit nur einmal verwendet werden. Sie haben alle Hygienemaßnahmen peinlich befolgt und trotzdem entdecken Sie auf Ihrer Creme seltsame Punkte? Oder die Emulsion wird Tage nach der Zubereitung wieder flüssig und es setzt sich Wasser ab? Dies kann ein Zeichen von zu hoher Keimbelastung sein. Wählen Sie deshalb in solchen Fällen den sicheren Weg und entsorgen die Reste dieser Creme.

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